KulturhauptstadtPotsdam2010

Abenddämmerung am Alten Markt in Potsdam.

Potsdam2010  -  Eine Bilanz

Kulturhauptstadt Europas 2010  - Nie zuvor hat es in einem Land der Europäischen Union so viele Bewerberstädte und einen so lebendigen Wettstreit um die Ausrichtung des Kulturhauptstadtjahres gegeben als in Deutschland. Erst 19, dann 17 und schließlich zehn deutsche Städte nutzten das "Städte-Casting" um sich europaweit zu präsentieren, zukunftsweisende Stadtprofile zu erstellen und kulturelle Projekte auf den Weg zu bringen. Die Bewerbungsphase brachte frischen Wind in die Städte und stärkte die Bedeutung der Kultur im Erscheinungsbild einer Stadt. Mit dem Vorschlag der Kulturhauptstadt-Jury an den Bundesrat, die beiden Städte Essen (Ruhrgebiet) und Görlitz der EU zu melden, endete am 10. März 2005 die Bewerbungsphase für acht der zehn Städte und damit auch für Potsdam.

Potsdam weckt Visionen

Denn auch die brandenburgische Landeshauptstadt ging ins Rennen um den Titel. Offiziell wurde der Bewerbungsmarathon am 27. März 2004 eröffnet, mit der symbolischen Übernahme der Schirmherrschaft über die Bewerbung Potsdams durch die Bürger. Insgesamt wurden so 4500 Schirmherren gewonnen, die mit ihrer Unterschrift Potsdam unterstützten. Aber nicht nur bei den Potsdamern stieß das Vorhaben der Stadt auf große Sympathie. Auch die Bundesbürger wählten Potsdam zu ihrem Lieblingskandidaten unter den Bewerberstädten, wie eine Forsa-Umfrage im Februar ergab. Dabei sprachen sich 27 Prozent der Befragten für die brandenburgische Landeshauptstadt aus.

Positive Medienresonanz

Für Potsdam war die Bewerbungsphase ein Gewinn. "Es ist uns mit der Bewerbung gelungen, regional und überregional stärker wahrgenommen zu werden, und zwar positiv", so Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs. Potsdams Profil als kulturvolle und lebenswerte Stadt konnte bundesweit geschärft werden. Wie eine Wettbewerbsanalyse ergab, steigerte Potsdam seine bundesweite Medienaufmerksamkeit enorm: 190 unterschiedliche Printmedien berichteten im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung über Potsdam. Allein im Februar wurden 887 Meldungen in den Printmedien registriert. Dazu kommen Beiträge aus Hörfunk und Fernsehen. So wurde die Havelstadt zum Beispiel vom 3sat Magazin "Kulturzeit" der Kultur-TÜV verliehen, der Potsdam als kulturhauptstadttauglich auszeichnete. Auch "Das Magazin" kürte in der Februar-Ausgabe Potsdam zu seinen Favoriten.

Die Stadt ist näher zusammen gerückt

Über 100 verschiedene Projektpartner wurden aktiv in den Bewerbungsprozess integriert und Unterstützer aus der Wirtschaft gefunden. So wurde z. B. in Kooperation mit dem Waschhaus, der Medienwerkstatt am Schlaatz und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg der Filmwettbewerb "Vision possible 2010" realisiert, mit dem Verein Bürger Europas und der Kulturhauptstadt-Botschafterin Jeanette Biedermann ein Internetspiel ins Leben gerufen und in Zusammenarbeit mit dem KULTURJAHR der ZEHN eine Gesprächsreihe mit Zeitzeugen aus den neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union veranstaltet.

Auf über 300  Veranstaltungen warb Potsdam 2010 für die Landeshauptstadt und wurde so auch zu einem Motor für Kooperationen zwischen Kulturträgern und der Wirtschaft, zwischen Bürgern, Vereinen, Initiativen und öffentlichen Trägern.

Was bleibt: Kultur- und Wissenschaftsstadt Potsdam

"Der Schwung muss bleiben", betonte Ministerpräsident Matthias Platzeck. So herrscht auch unter den großen politischen Fraktionen der Stadt Konsens, den Elan, den die Bewerbung zur Kulturhauptstadt entfaltete, auch über die aktive Bewerbungsphase hinaus zu erhalten. Großprojekte, wie die Entwicklung des Kultur- und Wirtschaftsstandortes Schiffbauergasse werden weiter vorangetrieben - so stehen mit der Eröffnung des Theaterneubaus 2006 und der Fertigstellung des Zentrums für Kunst und Soziokultur wichtige Termine ins Haus. Die Stadt ist auf dem richtigen Weg, wie die zahlreichen positiven Reaktionen auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung beweisen.

Die Potsdam2010 GmbH wurde beauftragt, bis zum Sommer ein Konzept zu erarbeiten, wie man die Dynamik des Bewerbungsprozesses erhalten und die Ziele und Vorstellungen, die mit der Bewerbung verbunden waren, weiter verfolgen kann. Dabei geht es um eine Steigerung des Stellenwertes der Kultur innerhalb der Stadt. Die während der Bewerbung bereits entstandenen Netzwerke, Kooperationen und Synergien sollen weiter ausgebaut und Potsdams Profil als Kultur- und Wissenschaftsstadt geschärft werden. Nicht zuletzt geht es dabei auch um die internationale Vermarktung der brandenburgischen Landeshauptstadt.

Unabhängig vom Ausscheiden beim Wettbewerb um den Titel Kulturhauptstadt Europas findet das von der Stadt Potsdam und Potsdam2010 initiierte Medientreffen "M100" planmäßig am 2. und 3. September statt. Ebenso werden die direkten Veranstaltungen rund um die Bewerbung auch wegen der Kooperationspartner termingerecht zuende gebracht.

Die Juryempfehlung: "Juwel unter den deutschen Städtelandschaften"

Die Kulturhauptstadtjury (György Konrád, Waltraud Luschny, Prof. Dr. Adolf Muschg, Isabel Pfeiffer-Poensgen, Prof. Dr. Wieland Schmied, Prof. Dr. Walter Siebel und Prof. Dr. Werner Durth), die am 10. März ihre Empfehlung bekannt gab, hatte eine schwere Aufgabe. So betonte Adolf Muschg denn auch in der Wochenzeitung "Die Zeit": "Wir hatten uns für zwei Städte entschieden und nicht gegen acht andere".

Die Jury schrieb über Potsdam:

"Potsdam ist ein Juwel unter den deutschen Stadtlandschaften. Eine einzigartige Ansammlung sorgfältig wiederhergestellter Schlösser, Seen und Parkanlagen des gemäßigt aufgeklärten Absolutismus, bereits seit 1990 als Weltkulturerbe anerkannt, sowie idyllische Gründerzeitviertel erwarten in unmittelbarer Nähe Berlins den Besucher. Potsdam ist international bekannt als Ort der preußischen Baukultur; schon jetzt zählt die Stadt zu den Höhepunkten des Tourismus in Deutschland. Deutsche Geschichte spiegelt sich in Zeugnissen preußischer wie russischer Militärtraditionen, im Holländischen Viertel, den Villen der Berliner Elite und im demographischen Wandel der Bevölkerung. Potsdam ist keine schrumpfende Stadt, sondern vielmehr durch seine Schönheit und die Nähe zu Berlin ein Magnet für Menschen mit kreativen Berufen. Insofern nimmt Potsdam eine ebenso verheißungsvolle wie für viele Teile Ostdeutschlands außergewöhnliche Position ein, die ihrer künftigen Entwicklung beste Voraussetzungen bietet."

Allen, die den Prozess in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben, möchten wir herzlich danken!

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