In einer Welt, in der räumliche
Entfernungen virtuell überbrückt werden, Menschen verschiedener
Kontinente online rund um die Uhr Informationen und Erfahrungen austauschen
können, bleibt dennoch der persönliche Kontakt unersetzlich. Aufgrund
der historischen Verflechtungen und Entwicklungen als preußische Residenzstadt
zum einen, und als Stadt im Verbund der sozialistischen Staaten verfügt
Potsdam über zahlreiche Kontakte sowohl im kulturellen, wirtschaftlichen
als auch wissenschaftlichen Bereich insbesondere nach Osteuropa. Diese haben
sich in den letzten Jahren nicht nur gefestigt, sondern wurden auch intensiv
genutzt und erweitert. Gerade im schulischen und studentischen Umfeld findet
sich eine dichte Fülle an Kontakten und Austausch, was ein gutes Zeichen
für die Zukunft einer toleranten, weltoffenen und friedliebenden Gesellschaft
ist.
Städtepartnerschaften werden gerne als Mittel zur Pflege von internationalen
Beziehungen etabliert. Allerdings erfordern diese, wenn sie tatsächlich
Früchte tragen und nicht nur die Schautafel am Stadteingang dekorieren
sollen, intensive Pflege und jahrlange Bemühungen von beiden Seiten.
Potsdam hat sieben Partnerstädte in Deutschland, Finnland, Frankreich,
Italien, Polen, der Schweiz und den USA, die alle durch Vereine, die sich
speziell einer Partnerschaft verpflichtet haben, getragen und gepflegt werden
– und das mit erstaunlichem Erfolg!
Opole:
Die Städtepartnerschaft zum polnischen Opole besteht seit über
30 Jahren ist die aktivste und stabilste Beziehung, die Potsdam pflegt.
In diesem Jahr wurde sie für die beste deutsch-polnische Städtepartnerschaft
2004 durch den polnischen Kultusminister über die Grenzen hinweg ausgezeichnet.
Schon seit den späten 60er Jahren wurden die ersten Beziehungen zu
der Hauptstadt der Wojewodschaft Opolskie, auf dem ehemals schlesischen
Gebiet Polens, geknüpft. Was mit gegenseitigen Besuchen zweimal im
Jahr begann, wurde 1973 durch ein offizielles Abkommen besiegelt. Die Städtefreundschaft
hat schon viele bewegende Ereignisse hinter sich. Mit der Verhängung
des Kriegszustandes in Polen, 1981 bis 1983, und auch durch die Umwälzungen
in beiden Ländern 1989/90 wurde eine Aufrechterhaltung der Partnerschaft
schwer. 1993 wurde zwischen beiden Städten eine inhaltlich neue und
verstärkte Partnerschaft beschlossen.
Wie groß die Anteilnahme und wie stark die Beziehungen sind, zeigt
die große Unterstützung für Opole nach der Oderflut von
1997, die die Stadt schlimm traf. Die Potsdamer unterstützten mit mehrere
Hilfstrupps, zum Beispiel der Feuerwehr, die polnischen Freunde. Bürgersammlungen
brachten ein Erlös von 90 000 Euro und es konnte ein Kindergarten wieder
ausgerüstet werden, um nur einen Teil der vielfältigen Hilfen
zu nennen.
Perugia:
Eine Handvoll italienbegeisterter Potsdamer initiierten gleich nach dem
Fall der Mauer die Städtepartnerschaft zwischen Perugia und Potsdam.
„Il Ponte“, die Brandenburgische Gesellschaft der Freunde Italiens
kümmert sich um eine menschliche Ausgestaltung der Partnerschaft. Im
Juni 1990 gegründet, ist sie eine gemeinnützige und unabhängige
Kulturgesellschaft, die „Il Ponte“, die Brücke, zu ihrem
Symbol und zugleich Programm gemacht hat. Mit viel Freude und Engagement
werden Brücken zu Institutionen und Vereinen, aber besonders auch zu
den Menschen der beiden Städte gebaut.
So werden zum Beispiel gemeinsam mit der italienischen Gesellschaft „Mano
nella Mano“ (Hand in Hand) gegenseitige Besuche von Menschen mit Behinderung
organisiert, die auf viel Freude und Interesse treffen. Abwechselnd werden
durch Künstler der beiden Städte auch Kalender zum Thema Potsdam/Brandenburg
bzw. Perugia/Umbrien gestaltet, die den Menschen die beiden Städte
näher bringen. Das partnerschaftliche Spektrum reicht von Buchvorstellungen
über Kochkurse bis hin zu den Wochen italienischer Kultur auf der Bundesgartenschau
2001.
Bonn:
Was 1988 unter sozialistischen Regime mit streng reglementierten Besuchen
Einzelner begann, wuchs nach der Einheit zu einer lebendigen Städtepartnerschaft.
Seit 1990 kümmert sich der Bonn-Club in Potsdam und der Potsdam-Club
in Bonn um die lebhafte Ausgestaltung der Partnerschaft. So wird der Tag
der Deutschen Einheit immer zusammen gefeiert, abwechselnd in Bonn bzw.
Potsdam. Ein Tennisturnier und Ruderwettbewerbe der Jugendgruppen sorgen
dafür, dass auch der Sport nicht zu kurz kommt. Darüber hinaus
werden Reisen, gemeinsame Radtouren und historische Veranstaltungen im Rahmen
dieser lebendigen Nachbarschaft organisiert.
Bobigny:
Seit 1974 besteht die Partnerschaft zwischen Potsdam und der Stadt Bobigny
im Nordosten von Paris.
Auf Potsdamer Seite kümmert sich die Deutsch-Französische Gesellschaft
um den partnerschaftlichen Austausch, die darüber hinaus auch partnerschaftliche
Beziehungen nach Versailles pflegt. Gymnasien pflegen, wie auch zu den Partnerstädten
Jyväskylä, und Sioux Falls, Kontakt und organisieren regelmäßigen
Schüleraustausch.
Sioux
Falls:
Die Städtepartnerschaft besteht seit September 1990 und war damit erste,
einzige und letzte Städtepartnerschaft zwischen einer Stadt in der
noch-DDR und den USA. Bekannt ist die Stadt durch die in Stein geschlagenen
Präsidentenköpfe von Mount-Rushmore und das Denkmal für den
Indianer Crazy Horse. Kontakte bestehen zwischen Schulen beider Städte,
zwischen der Universität Potsdam und dem Augustana-College, zwischen
den Verwaltungen und den Partnerschaftsvereinen beider Städte. Seit
1998 kommen regelmäßig Studentengruppen aus Sioux-Falls zu mehrtägigen
Aufenthalten nach Potsdam.
Luzern
Erst seit 2002 sind Luzern und Potsdam durch eine Städtepartnerschaft
miteinander verbunden. Im Oktober 2002 wurde der Freundeskreis Potsdam-Luzern
aus der Taufe gehoben. Sein Ziel ist es, die Städtepartnerschaft mit
Leben zu erfüllen. Bislang sind die Kontakte sportlicher Natur, die
insbesondere von der Rudergesellschaft und dem RC Germania unterhalten werden.
Jyväskylä
Die Kontakte zwischen Potsdam und Jyväskylä wurden 1985 angebahnt.
Seit vielen Jahren kümmert sich der Freundeskreis Potsdam - Jyväskylä
um die Ausgestaltung der Kontakte zur finnischen Partnerstadt. Die nördlichste
Partnerstadt pflegt Kontakte mit einem Gymnasium und der Universität
Potsdam.
Universität Potsdam:
Die Universität Potsdam verfügt über ein sowohl breit gefächertes,
vor allem aber qualitativ sehr wertvolles internationales Netzwerk. Mit
ihren 26 Hochschulpartnerschaften, die von New York bis Hanoi und von Southampton
bis Kairo fast die ganze Erdkugel umspannen, fördert die Universität
den kulturellen und geistigen Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses
und leistet wertvolle Forschungsarbeit. Traditionell liegt der Schwerpunkt
der Zusammenarbeit bei den Hochschulpartnerschaften in Osteuropa. Die zahlreichen
Partnerschaften in Polen, Russland, Weißrussland, Tschechien und Bulgarien
belegen dies eindrucksvoll. Hinzu kommen zehn weitere Fakultätspartnerschaften.
Besonders stolz ist die Universität Potsdam auf eine Kooperation mit
der Universität Szeged in Ungarn. Der Studiengang „Deutsches
Wirtschaftsrecht“ wird dort durch das Institut für Europarecht
in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam angeboten. Die einzelnen
Vorlesungen werden monatlich von Potsdamer Hochschullehrern und wissenschaftlichen
Mitarbeitern an der Universität Szeged angeboten.
Mit Frankreich, genauer mit Paris-Nanterre, verbindet die Universität
Potsdam ein wohl einzigartiges Projekt. Der integrative deutsch-französische
Jura-Studiengang bietet Studierenden die attraktive Möglichkeit ein
Doppeldiplom zu erwerben – einen französischen sowie einen deutschen
Studienabschluss. So tauschen jährlich rund 60 Studenten beider Länder
die Universität. Für zwei Jahre lernen sie dann in Paris, bzw.
in Potsdam nicht nur die Kniffe der Rechtswissenschaften sondern auch die
der jeweiligen Sprache.
Auch die mathematisch- naturwissenschaftliche Fakultät forscht im Rahmen
eines internationalen Netzwerkes. Zusammen mit den Universitäten in
Florenz, Genf, Navarro, Madrid, Lissabon, Krakau und dem Weizmann Institut
in Israel, wird an der Synchronisation und Steuerung von Chaos in physikalischen
Systemen gearbeitet.
Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf:
Um die Studierenden schon frühzeitig mit der Medienwelt in Kontakt
zu bringen, unterhält die Hochschule vielfältige Außenbeziehungen.
Arbeitskontakte gibt es zu allen nationalen und mehreren internationalen
Medienhochschulen. Außerdem ist die Hochschule Mitglied in nationalen
und internationalen Vereinigungen. HFF-Studentenfilme werden intensiv ausgewertet
und auf Festivaltour geschickt. Ob in Kiew, Woodstock, St. Pölten oder
Odense, Rom, St. Petersburg, Maastricht oder Los Angeles - die Filmemacher
sind jährlich auf etwa 200 nationalen und internationalen Festivals
präsent und geben damit weltweit einen beispielhaften Eindruck von
der Arbeit des deutschen Film- und Fernsehnachwuchses, was die Anzahl der
Auszeichnungen eindrucksvoll belegt. Konkrete Kooperationen bestehen bereits
mit ausländischen Hochschulen wie der Universität für Musik
und Darstellende Kunst, Wien, der Hochschule für Gestaltung und Kunst,
Luzern, der Northern School of Film and Television, Leeds, dem Hanoi Theatre
and Cinema College, Hanoi, der La Escuela Internacional de Cine y Televisión,
Havanna,dem Russian State Institute of Cinematography (VGIK), Moskau, sowie
der Beijing Broadcasting University (BBU), Peking.
Fachhochschule Potsdam:
Mit insgesamt 46 Hochschulen bestehen bislang vertragliche Vereinbarungen zur internationalen Kooperation in Lehre und Forschung, insbesondere zur Mobilität von Studierenden und Lehrenden. Über eine Vielzahl europäischer Kontakte im Rahmen des Sokrates-Programms der EU ist es der Fachhochschule gelungen Kooperationen mit dem DAAD, der Carl-Duisburg-Gesellschaft, British Council, Amerika-Haus, Fulbright Kommission und den ansässigen Botschaften aufzubauen. Mit einer Vielzahl erfolgreich platzierter Stipendiaten, die auch als Multiplikatoren an unterschiedlichen Hochschulen und Praxiseinrichtungen im Ausland wirken, konnte die Hochschule inzwischen internationalen Ruf erlangen. Dass die FH Potsdam als einzige Fachhochschule, neben zehn Universitäten und einer Kunsthochschule, eingeladen wurde, im Deutschen Pavillon bei der Biennale Venedig auszustellen, bestätigt dies eindrucksvoll.